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Das Märchen vom Wort und den Jüngern des Marktes

Kleine Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Höret Ihr, die Ihr lebt unter Jüngern des Marktes, die Ihr tauscht Eure Güter, die da haben unter zahllosen Eigenschaften zumindest zwei: Rivalität und Ausschließbarkeit. Es hieß „Wo einer besitzt ein Gut, soll kein zweiter besitzen das selbe!“ und sei genannt Rivalität. Und es hieß „Wo einer genießt ein Gut, soll man ausschließen können den Nächsten vom Genuss des selben!“ und sei genannt Ausschließbarkeit. So scheiden sich die Güter in Gruppen, derer vier:

  1. Rivale ausschließbare seien geheißen Private Güter, denn wo einer besitzt eine Speise und genießt, kann die selbe ein zweiter nicht haben noch genießen.
  2. Nicht-rivale ausschließbare seien geheißen Klubgut, denn wo einer zahlt Eintritt und sieht ein Spiel, kann ein zweiter zahlen und sehen das selbe, doch ausgeschlossen ist der, der nicht zahlt.
  3. Rivale nicht-ausschließbare seien geheißen Allmende, denn wo einer verschmutzt den Fluss, kann sein Nächster ihn sauber nicht nutzen, doch ausschließen vom Fluss lässt sich keiner.
  4. Nicht-rivale nicht-ausschließbare seien geheißen Öffentliche Güter, denn wo einer genießt den Schutz des Herrschers, da alle genießen den selben Schutz, und ausschließen vom Schutz lässt sich keiner.

Im Anfang war das Wort. Und das Wort war nicht-rival und das Wort war nicht-ausschließbar, denn wo erzählt wird eine Geschichte von Worten, da können lauschen derer viele, und ist erst das Wort in der Welt, so kann es erzählt werden weiter und weiter, und ausschließen vom Wort lässt sich keiner. Doch trug es sich zu, dass die Jünger des Marktes sich anschickten zu verkaufen das Wort. Da erzählten sie es nicht, sondern druckten ein Buch, denn wo einer besitzt ein Buch, soll kein zweiter besitzen das selbe. So ward gegeben dem Wort Rivalität und zur Allmende ward es vom Öffentlichen Gut. Denn wer das Wort liest in seinem Buch, das besitzen kann nur einer, der kann es doch weiter erzählen vielen, und ausschließen vom Wort lässt sich keiner.

Und so mochten die Jünger des Marktes es nicht, denn wo sich nicht ausschließen lässt der Nächste vom Wort, da hört es ein zweiter und bezahlt keinen Heller und druckt es gar neu und reichet es weiter, und ausschließen vom Wort lässt sich keiner. So gingen die Jünger des Marktes zum Herrscher und bettelten und flehten um Ausschließbarkeit. Und sieh da, er zeigte sich gnädig und ersann die Ausschließbarkeit des Wortes und hieß sie Urheberrecht. Und wo einer erzählt das Wort und druckt, sollte fortan kein zweiter es erzählen noch drucken. So ward gegeben dem Wort Ausschließbarkeit, und zum Privaten Gut ward es von der Allmende. Und die Jünger des Marktes, sie jauchzten und frohlockten, denn nur das Private kann verkaufen und kaufen ein jeder ohne störenden Einfluss der da heißt Externer Effekt.

Doch begab es sich dann nach langen Jahren, dass sich spann um die Erde ein Netz von Maschinen, die vermehrten das Wort gar wunderlich, denn aus einem Buch machten sie zwei, und wer besaß das erste der besaß es noch immer, und wer erhielt das zweite der besaß es auch, und so ward es geraubt seiner Rivalität, und das Buch ward zum Klubgut. Immer enger spann sich das Netz des Wunders, und jeder war im Netz, und jeder konnte vieltausendfach vermehren das Buch, und ausschließen vom Netz ließ sich keiner. Und das Wort ward beraubt seiner Ausschließbarkeit und kehrte zurück woher es kam und ward Öffentliches Gut vom Privaten. Da weinten und wehklagten die Jünger des Marktes gar bitterlich, und ersannen ein Mittel das sie hießen DRM, das zurück gab dem Wort die Rivalität, denn wo einer besitzt ein DRM, da soll es besitzen kein zweiter. Doch die Menschen verschmähten das DRM, das nicht weiter geben sich lässt an den Nächsten, und die Wundermaschinen befreiten das Wort vom DRM, und die Menschen reichten es weiter an ihre Nächsten und behielten es selbst, und ausschließen vom Buch ließ sich keiner. So gingen die Jünger des Marktes zum Herrscher und bettelten und flehten, er möge schicken die Häscher und bestrafen all die, die verletzten das Gebot der Ausschließbarkeit das genannt Urheberrecht. Denn die Maschinen in ihrem Netz sie zerstören den Markt. So zogen die Häscher und fingen gar willkürlich ein paar derer die vermehrten das Wort, doch die Maschinen sie blieben im Netz und raubten das Wort seiner Rivalität und entzogen es dem Markt für alle Zeit. Und die Menschen sie ersannen das nicht-ausschließbare Wort und hießen es CC. Doch noch immer jagen die Häscher all die, die verletzen das Gebot der Ausschließbarkeit das genannt Urheberrecht und geführt wird ein furchtbarer Krieg, ob das Wort nun sei Klubgut oder das Wort sei Öffentlich, doch Allmende oder Privat ward es nimmermehr.

Und der Krieg er ward teurer, und die Menschen sie litten, und die Jünger wehklagten, und es wurde verschwendet die Zeit und die Arbeit und Geld. Und es geschah so dem Wort, der Musik und dem Film und dem LEGO das vermehrt wurde in einer neuen Maschine des Wunders die genannt ward 3D.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so kämpfen sie noch heute.

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2 Kommentare zu “Das Märchen vom Wort und den Jüngern des Marktes

  1. […] Anbieter gibt ist kein Zufall und hat viel mit dem Rivalitäts-Auschließbarkeits-Quadrat aus dem letzten Beitrag zu tun: Digital reproduzierbare Güter unterliegen nur minimaler Rivalität in der Nutzung, d.h. […]

  2. Schöne Geschichte! Danke für diese Geschichtslektion.

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