2 Kommentare

Klubgüter und Natürliche Monopole

Jetzt sind sie also in der Welt, die Wundermaschinen in ihrem Netz. Sie sind Teil unseres Lebens und Teil unseres Wirtschaftsystems und obwohl wir sehen, dass sie die Welt ziemlich rasant verändern, halten wir alles noch für normal:

  • Google? Die beste Suchmaschine im Markt und hoch profitabel dank Online-Werbegeschäft.
  • Ebay? Online-Auktionshaus und einzig nennenswertes seiner Art.
  • Amazon? Größter Online-Marktplatz mit hilfreichen Produktempfehlungen und guten Preisen.
  • Facebook? Soziales Netzwerk mit Hang zu Datenschutzproblemen, aber zweifellos bester und größter Anbieter.
  • Twitter? Einzigartiger Mikro-Blogging-Dienst, the place to be.
  • iTunes-Store? mp3-Tankstelle für den iPod.

Dass es in all diesen Bereichen nur noch ganz wenige, ganz große Anbieter gibt ist kein Zufall und hat viel mit dem Rivalitäts-Auschließbarkeits-Quadrat aus dem letzten Beitrag zu tun: Digital reproduzierbare Güter unterliegen nur minimaler Rivalität in der Nutzung, d.h. für den Anbieter sind neue Kunden mit nur wenig höheren Kosten verbunden. Die Investitionskosten können dagegen immens sein, am einfachsten verständlich ist das im Fall von Google. Einen vollständigen und schnell durchsuchbaren Index vom Internet zu erstellen und aktuell zu halten ist so aufwändig, dass Microsoft mit seiner Suchmaschine bing eine Milliarde US-Dollar Verlust pro Quartal machen soll. Yahoo hat es in diesem „Markt“ ja schon fast entschärft.

Mindestens genauso wichtig wie die fehlende Rivalität bei der (Re-)Produktion der Güter dürfte allerdings der Netzwerk-Effekt sein, der die Kunden jeweils zum größten aller Anbieter treibt. Am eindrucksvollsten zeigen das Ebay und Facebook: natürlich möchte jeder da sein wo alle sind, sei es um hohe Preise bei seiner Auktion zu erzielen, oder um mit möglichst vielen Freunden in Kontakt treten zu können.

Im wesentlichen sind es diese beiden Effekte, die im Internet zur Herausbildung natürlicher Monopole führen. Und das ist wirklich keine neue Erkenntnis: eine simple Google-Suche nach „natürliche monopole“ internet fördert nach dem Wikipedia-Eintrag gleich an zweiter Stelle einen FAZ-Artikel von 2007 zu Tage, der das sehr schön erklärt. Der Unterschied heute, fünf Jahre später: Das Fazit des Artikels

Es ist also im Internet oft gar nicht so wichtig, ob es auf einem Markt einen Monopolisten gibt. Entscheidend ist, dass neue Konkurrenz jederzeit möglich ist.¹

würde wohl weit weniger optimistisch ausfallen.

In der Tat könnte Microsoft’s bing irgendwann an Google herankommen – aber wie viele Unternehmen haben schon einen so langen Atem, über Jahre hinweg mehrere Milliarden Dollar Verlust zu verkraften? Und Ebay: glaubt nach über zehn Jahren wirklich noch irgend jemand daran, dass die Monopolstellung gefährdet sein könnte? Und selbst wenn – intuitiv ist klar, dass die Monopolisten wechseln können, das strukturelle natürliche Monopol aber wird bleiben.

Und natürlich kann man diese Erkenntnisse ganz prima auf urheberrechtlich geschützte Werke übertragen. Wenn nicht-rivale, nicht-ausschließbare Güter wie die Wikipedia, Freie Software oder CC-lizenzierte e-books sich als „Öffentliche Güter“ dem Markt entziehen, dann treibt das Urheberrecht die geschützten Werke mit einer künstlich erzeugten Ausschließbarkeit in den Bereich der „Klubgüter“. Und das führt ziemlich vorhersehbar zur Ausbildung natürlicher Monopole. Während das Urheberrecht im Falle eines rivalen Buches also einen funktionierenden Markt erst ermöglicht, ist das beste was es uns für nicht-rivale digitale Werke noch bieten kann ein kaputter Markt. Diese Diskussion wird gesellschaftlich zu führen sein: wollen wir lieber einen kaputten oder lieber gar keinen Markt für alles Digitalisierbare?

Allerdings hab ich langsam auch keine Lust mehr auf die ewige Urheberrechts-Debatte. Ich prophezeihe dem derzeitigen Recht einen Untergang mit Pauken und Trompeten, wenn diejenigen die bisher davon profitiert haben nicht schnellstens eine vernünftige Lösung anbieten. Und der Ball liegt jetzt tatsächlich auf deren Seite: Spätestens wenn die Digital Natives wählen gehen oder selbst die Gesetze formulieren, wird nichts mehr übrig bleiben vom derzeitigen Verbot, Bilder, Texte, Videos oder Musik online zu stellen. Und weil das Copyright auch irgendwann durchgekaut ist, werde ich wohl in den nächsten Beiträgen mal gucken welche Möglichkeiten es gibt, das Problem der ganz unterschiedlichen oben genannten natürlichen Monopole zu lösen.

¹Quelle: Patrick Bernau, "Warum gibt es im Internet so viele Monopole?", in FAZ vom 31.10.2007 (Als Test für die Zeit nach Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverleger verlinke ich hier einfach mal nicht.)

Advertisements

2 Kommentare zu “Klubgüter und Natürliche Monopole

  1. […] Vor einiger Zeit habe ich hier ja mal eine Erklärung für die vielen Monopolanbieter im Internet versucht und angekündigt, mich ausführlicher damit zu beschäftigen, wie man diese auflösen könnte. […]

  2. […] Patrick Bernau von der FAZ, der diesen Beitrag hier einleitet, schon einmal zitiert habe: in “Klubgüter und Natürliche Monopole”. 2007 vertrat er nämlich in einer Erklärung zu Internet-Monopolen noch genau diese These: […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: